Offener Brief - Bibliothek

27. Januar 2014
Offener Brief - Bibliotheksschließung

Die Fachschaft hat einen Offenen Brief zur Bibliothekssituation verfasst.
Den vollständigen Brief findet ihr HIER.




Zur Bibliothekssituation in Freiburg


Mit großer Verwunderung und Bestürzung haben wir festgestellt, dass seit Kurzem die Bibliothek der Inneren Medizin auf bescheidene Ausmaße verkleinert wurde: von den ehemals insgesamt 17 Plätzen sind nur noch 3 verfügbar, sowie 8 PC-Plätze hinter der Station Kußmaul. Die Schließung wurde gegenüber den Studenten in keiner Weise kommuniziert, wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Das ist sehr bedauerlich, denn so nimmt man uns die Möglichkeit nach Gründen zu fragen, Einsprüche vorzubringen und die Chance uns auch nur darauf einzustellen, also konstruktiv mit der Situation umzugehen. Die jetzt aufkeimende Unzufriedenheit ist zu einem großen Teil auf dieses intransparente Vorgehen zurückzuführen.

Momentan studieren laut Zahlen der Universitätsverwaltung 2522 Studenten Humanmedizin an der Med. Fakultät Freiburg, davon 681 in der Vorklinik und 1841 im klinischen Studienabschnitt. Für die vorklinischen Semester ist als Lern- und Leseort der Weismann-Saal vorgesehen. Dieser hat 60 Leseplätze und 5 PC-Arbeitsplätze. Zu Stoßzeiten vor Klausuren sind diese Plätze erfahrungsgemäß aber bei Weitem nicht ausreichend. Im Hinblick auf den klinischen Studienabschnitt stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Für die 1841 Studierenden stehen im Universitätsklinikum nun noch 21 Leseplätze (Chirurgische Bibliothek 18, Innere Medizin 3) und 12 Plätze mit Computer zur Verfügung. Dies bedeutet, dass im Klinischen Studienabschnitt etwa 55 Studierende auf einen Sitzplatz in einer Bibliothek kommen. Der Platzmangel ist jedoch keine neue Problematik: seit Jahren weist die Fachschaft das Dekanat und das Uniklinikum auf den Missstand hin. Bisher ist wenig passiert, um die Situation zu verbessern. Die Verkleinerung der Bibliothek der Inneren Medizin hebt das Problem aber auf ein neues Niveau, da nun die wenigen vorhandenen Plätze ersatzlos gekürzt werden. Wir finden diesen Zustand untragbar, da das Uniklinikum nicht nur eine Einrichtung der Patientenversorgung ist, sondern ganz klar auch einen Lehrauftrag hat.

Der Raum, den die in der Bibliothek der Inneren Medizin wegfallenden Plätze bisher einnahmen, soll laut Protokoll der Vorstandssitzung der Medizinischen Klinik vom 17.06.2013 zu einer Privatambulanz umgebaut werden. Prinzipiell spricht nichts gegen die Einrichtung einer Ambulanz, solange sie einen Mehrwert für das Klinikum und die Patienten darstellt. Ob diese Ambulanz allerdings auf Kosten der sowieso schon raren Arbeitsplätze gehen musste ist fragwürdig. Umso überraschender ist es, dass die Bibliothek laut Vorstandsbeschluss langfristig ganz geschlossen werden soll. Es verbleiben dann 18 Leseplätze und 10 PC- Arbeitsplätze in der Chirurgie und hinter der Station Kußmaul. Das macht 65 Studierende pro Platz.

Die Universitätsbibliothek, die momentan neu gebaut wird, schafft an dieser Stelle auch keine Abhilfe: Erstens ist sie weit entfernt, zweitens muss man dort mit den Geisteswissenschaftlern um die Plätze konkurrieren und drittens gibt es dort für jedes Lehrbuch nur ein bis zwei Exemplare, während die übrigen Bücher in der Lehrbuchsammlung II untergebracht sind.

Des Öfteren wird argumentiert, dass die Noten im zweiten Staatsexamen offensichtlich nicht unter dem Lernplatzmangel zu leiden hätten. Schließlich sind die Freiburger Studenten im Bundesvergleich regelmäßig unter den besten. Das mag zutreffen, aber der Fakultät sollte nicht ausschließlich an guten Examensnoten gelegen sein, die ja des Öfteren nicht viel über die ärztlichen Qualitäten eines Prüflings aussagen. Vielmehr sollte sie die Voraussetzungen dafür schaffen, dass aus ihren Studenten gut ausgebildete Ärzte werden können. Eine Voraussetzung ist unserer Meinung nach eine Bibliothek als Lernort, da es kaum ein lernintensiveres Studium gibt als das der Medizin. Dort sollen vor allem die Studenten Platz finden, die zu Hause keine guten Lernbedingungen haben, aber auch alle, die Leerlaufstunden überbrücken oder sich auf eine der vielen Klausuren vorbereiten müssen. Auch Ärzte und Ärztinnen könnten sich dort Informationen beschaffen, vor allem diejenigen in der Weiterbildung.

Im schon erwähnten Protokoll der Vorstandssitzung der Medizinischen Klinik vom 17.6.2013 stößt man des Weiteren auf die Aussage, dass es im Dekanat bereits eine Arbeitsgruppe gibt, die sich mit der Zukunft der medizinischen Bibliotheken beschäftigt. Selbst wenn die Bemühungen dieser Arbeitsgruppe erst in Jahren zu fassbaren Ergebnissen führen, begrüßen wir, dass der Missstand offensichtlich seitens des Dekanats wahrgenommen wird und  in Arbeit ist. Die öffentliche Kommunikation dieser Bemühungen wäre allerdings angebracht gewesen! Die nächste Frage ist nämlich, warum kein Vertreter der Studenten an dieser AG beteiligt ist. Dies kann der Fakultät letztlich nur zum Vorteil gereichen, denn es gibt viele engagierte Studenten, die Kreativität und Energie haben und sich gerne einbringen möchten. Warum diese nicht in beratender Funktion beteiligen?

Es bleiben viele Fragen offen. Wir würden uns freuen, wenn die Verantwortlichen eine Stellungnahme verfassen würden, in der die bestehenden Unklarheiten ausgeräumt werden. Des Weiteren würden wir es begrüßen, wenn man die Kommunikation mit den Studenten demnächst verbessert, sodass ein konstruktiver und transparenter Prozess überhaupt eine echte Chance hat. Auf diese Weise würde allen Beteiligten viel Ärger und viele Missverständnisse erspart bleiben.

Mit freundlichen Grüßen
 

Die offene Fachschaft Medizin Freiburg


Bild von: Lupo / pixelio.de