Das u-Modell


Die gesamte Hochschulpolitik der Universität Freiburg ist ein ungepflegtes, verwachsenes Labyrinth. Im Inneren blockieren etliche Paragrafen des Landeshochschulgesetzes die Sicht und ein unbeschwertes Vorankommen. Deswegen haben die Studenten Umwege durchs Dickicht schlagen müssen ... und heraus kam das u-Modell:


Vereine um unabhängig zu sein

Die Offene Fachschaft Medizin Freiburg ist nicht die Fachschaft der medizinischen Fakultät. Nicht? Nein: Die offene Fachschaft Medizin Freiburg e.V. ist nur ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Das bedeutet, wir sind nicht die legitime Vertretung der Medizinstudenten. Der Grund hierfür ist das u-Modell und ein Gesetz aus dem Jahre 1977.

Es war die Zeit des "Deutschen Herbstes", und die RAF war aktiv denn je. Damals war Hans Filbinger (†07) Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Ihm war es ein wichtiges Anliegen, die verfassten Studierendenschaften abzuschaffen, in denen er Keimzellen der RAF vermutete: ,,Die Abschaffung der Verfaßten Studentenschaft und damit der ASten, ist ein taugliches Mittel, ein Stück Sympathisantensumpf des Terrorismus trockenzulegen." Das Ergebnis der Regierung war schließlich eine Änderung des Landeshochschulgesetzes (LHG), das die Studentenschaften entmachtete. Eines der wichtigsten Beispiele: Statt politischen Betätigungen dürfen nun nur noch "die geistigen, musischen und sportlichen Interessen der Studierenden" gefördert werden (§2 LHG BW). Nach heftigen Demonstrationen und Streiks, suchten die Studenten nach einer Lösung: Noch im selben Jahr wurden die ersten Vorläufer der heutigen u-astas gegründet.

Das Grundprinzip des "unabhängigen Modells" (u-Modell) sieht so aus: Man gründet einen Verein für Studenten (z.B. u-asta oder Ofamed). Im Verein kann jeder Student Mitglied werden und mitbestimmen. Der Verein stellt Wahllisten für die offiziellen Uniwahlen. Dort werden die legitimen Studentenvertretungen gewählt - auf Fakultätsebene in den Fakultätsrat, auf Uniebene in den Senat und den AStA. Die Listen-Kandidaten des Vereins sind nun demokratisch an die Weisungen und Beschlüsse des Vereins gebunden. Das hat zwei Vorteile:

1. Der Verein kann fördern, was immer er will, denn er ist nicht an das LHG gebunden.

2. Über die Mitgliederversammlungen können alle Studenten basisdemokratisch an der Unipolitik mitwirken!

Voraussetzung ist jedoch, dass der Verein bei den Wahlen eine Mehrheit erzielt!